Schwertgriff mit Drahtwicklung


So nett mein Schaukampfschwert ist, der geklebte Ledergriff hat mir nie sehr gefallen. Auf eine dicke Schnur aufmodelliert und mit erhabenem Grat verklebt war er zwar sehr griffig, aber ein Training ohne Handschuhe konnte schonmal mit Blasen enden. Als sich schließlich die Klebung auf dem Dreynevent – nach 4 Monaten moderatem Gebrauch 😐 – gelöst hatte, wollte ich mich an einem genĂ€hten Griff mit Drahtwicklung versuchen.

 

Das Holz

ZunĂ€chst wird das alte Leder abgezogen und Schnur- und Kleberreste mit einer Feile entfernt. Dann sollte man eine Testwicklung anbringen, die den spĂ€teren Verlauf des Drahtes darstellt. Ist man mit der Testwicklung zufrieden, wird sie mit einem Stift auf das Holz ĂŒbertragen und mit einer dĂŒnnen Rundfeile nachgezogen. Die Rille verhindert dann ein Verrutschen der Wicklung, der Draht liegt tiefer und man hat ein angenehmes GriffgefĂŒhl.

holz-gerillt  Damit die Windungen parallel liegen, sollte der Windungsabstand etwa proportional zum Griffumfang sein; im Bild nimmt er von 20mm auf 15mm ab. Auch finde ich es schöner, wenn Beginn und Ende der Spirale in der Klingenebene liegen, zB. der VerlÀngerung der kurzen Schneide. Man sollte dabei eine zu Parierstange oder Knauf offene (halbe) Rille vermeiden, da sonst der Draht beim Wickeln abrutscht und in den Spalt zwischen Holz und Metall gerÀt.

Die Rillen sollten nicht zu tief gezogen werden, um nicht die StabilitĂ€t zu vermindern. 1-1.5mm dĂŒrften reichen; auch kann sich das Leder -je nach Dicke- nicht beliebig verformen und zu tiefe Rillen sind spĂ€ter zu fĂŒhlen. Man sollte ein LederstĂŒck probeweise darĂŒberhalten und mit den Fingern die Rille abtasten. Harte Kanten sind mit Schleifpapier zu entfernen, aber nicht zu viel, denn der Draht soll spĂ€ter ja “versenkt” liegen.

Man kann hier natĂŒrlich auch andere Profile verwenden, allerdings hatte der Griff nicht genĂŒgend Material. KavalleriesĂ€bel zB.: zeigen oft ein sehr bauchiges Profil mit geringem Wicklungsabstand, aber das hĂ€tte ich nur durch Aufkleben eines Lederstreifens nachahmen können und das hĂ€tte den Griff “schwammiger” gemacht. Auch muss das Leder dĂŒnner sein, wenn es stĂ€rker verzerrt werden soll und eine Naht wird schwieriger.

 

Das Leder

Es gibt mehrere Möglichkeiten, das Leder zuzuschneiden und am Griff zu befestigen: Zum einen kann ein langer Streifen parallel zur Rille gelegt werden, sodass sich seine RĂ€nder in den Rillen befinden und ĂŒberlappen. Wenn der Draht aufgewickelt ist, ist kein Rand zu sehen und auch bauchigste Profile stellen kein Problem dar; kompliziert & Kleber 😉 . Zum anderen kann ein viereckiges StĂŒck zu einem Lederschlauch vernĂ€ht werden. Da der Lederrand hier nicht verdeckt ist, habe ich mich fĂŒr eine unsichtbare Naht entschieden; robust & langwierig, trĂ€gt aber mehr auf 😉 . Als Leder habe ich schwarz gefĂ€rbtes Rentier mit 1.2mm Dicke genommen.

Ein trapezförmiges StĂŒck wird mit WĂ€scheklammern auf dem Griff fixiert und beide Lederschichten in regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden von ca 26mm durchstochen. Diese Stiche legen den Verlauf der Naht fest und erlauben eine Anpassung des Spiels; also wie locker der Schlauch sitzt.

naht-vorstechen Dabei wird nicht direkt am Holz gestochen, sondern etwa 1.5-2mm entfernt (gelb im Bild). Das Trapez ist so zu bemessen, dass noch mindestens 8mm Leder als Rand ĂŒbrig bleiben.

Das Spiel wird mit einer Testnaht aus einem einzelnen Faden ĂŒberprĂŒft. Es sollte kein Spalt oder Faden zu sehen sein. Der Schlauch lĂ€sst sich von Hand verdrehen und verschieben, beginnt aber leicht zu klemmen; insbesondere schlackert er nicht. Ein Verengen ist durch neue Stiche leicht möglich, ein Erweitern hinterlĂ€sst sichtbare Löcher neben der Naht.

naht-demo Das Bild demonstriert auch die spĂ€tere NĂ€hweise: Die Fadenmitte ist bei der Parierstange und man verwendet je eine Nadel fĂŒr Rot und GrĂŒn. Zwischen den Stichen verlaufen die FĂ€den im Falz der umgefalteten RĂ€nder (gestrichelt). Die Naht kann dann am Knauf leicht mit einem Knoten abgeschlossen werden.

 

Nun werden je zwei benachbarte Probelöcher (ohne Spannung, aber glatt) auf eine weiche Holzleiste gepinnt und die restlichen Löcher durch beide Lederschichten gleichzeitig gestochen.

naht-stechen Einfach ein Geodreieck an die Nadeln legen und in gleichmĂ€ĂŸigem Abstand stechen. Optimal sind 4mm, bei weniger als 3mm wird die Naht unnötig aufwendiger, bei mehr als 5mm könnte sie klaffen.

Damit der umgeklappte Rand keine spĂŒrbare Stufe hinterlĂ€sst, wird das Leder ausgeschĂ€rft.

leder-ausschaerfenAuf der Fleischseite wird mit einer scharfen Klinge Material abgetragen, sodass die Dicke annĂ€hernd linear abnimmt. Man sollte etwas Abstand zu den Löchern halten, damit die Naht nicht einreißt; aber da alles vom Draht gehalten wird, ist das nicht ganz so kritisch.

 

Nun beginnt die Naht bei der Parierstange, das lĂ€sst uns den Schlauch in Richtung Knauf verschieben um etwas mehr Platz zum nĂ€hen zu bekommen. Ich habe stets 9 lose Stiche im Vorraus gesetzt und in 3er Gruppen gebĂŒndelt. Die Ă€ltesten 3 Stiche werden festgezogen, das ĂŒberschĂŒssige Garn durch die nĂ€chsten 6 Stiche gezogen (es sollten Schlaufen ĂŒbrig bleiben) und 3 neue, lose Stiche gesetzt.
naht-echt

Das verhindert, dass das Setzen neuer Stiche die bereits festgezogene Naht wieder öffnet. Man muss schließlich um die RĂ€nder herumstechen, die unter der festgezogenen Naht umgeklappt sind.

Man kann sich das Umfalten erleichtern, wenn man das Leder vorher entlang der Löcher umklappt und mit der Flachzange vorsichtig presst. Zu Beginn der Naht sollte man den Schlauch weit zum Knauf schieben, sodass man die ersten 6 Stiche leicht umklappen kann. SpÀter können leichtes Hin- und Herschieben, Walgen mit den Daumen und lange, schmale GegenstÀnde helfen.

naht-closeup Zieht nicht zu fest! Das Garn kann reißen und man kriegt hĂ€ĂŸliche Knoten (rechts im Bild). Die Nadeln sollten stumpfe, runde Köpfe haben (zB.: Sticknadeln), damit man sich nicht durch das andere Garn sticht und es so schwĂ€cht. Verwendet man Leinengarn so sollte man es vorher durch Bienenwachs ziehen um die Naht zu stĂ€rken. Aber da die Naht nicht sichtbar ist könnte man wohl einen dunklen Polyesterzwirn nehmen. Dieser ist bei gleicher Festigkeit dĂŒnner und wird durch die Nadeln nicht so sehr geschwĂ€cht.

 

Der Draht

FĂŒr die Wicklung wird ein dĂŒnner, weicher Eisendraht -zB.: Blumendraht- verwendet. Durchmesser etwa 0.5-0.8mm; die LĂ€nge kann aus der Testwicklung bestimmt werden. Beginn und Ende der Spirale bestehen mindestens aus je 3 Windungen und es sollte ein gewisser Überstand fĂŒr die Hand eingeplant werden, damit man fest wickeln kann.

Ob blank, oder verzinkt ist egal. Ein verzinkter Draht rostet unter verschwitzten HĂ€nden nicht, aber Verzinken ist relativ neu und damit nicht HC. Nimmt man blanken Draht, muss man ihn dagegen regelmĂ€ĂŸig mit dem Leder fetten.
Ich habe die Verzinnung als Rostschutz gewĂ€hlt, welche schon im Altertum weit verbreitet war. (In vielen Kupfer-/BronzegefĂ€ĂŸen ist eine Zinnschicht gegen GrĂŒnspan und GeschmacksĂ€nderungen. Im Mittelalter wurden viele eiserne Kleinwaren -zB. Knöpfe- verzinnt, aber ich weiß nicht, ob das auch fĂŒr Drahtwicklungen von Schwertgriffen ĂŒblich war.) Zudem verhindert die Verzinnung, dass sich der Draht wieder aufdreht, und erleichtert das spĂ€tere Löten des Drahtes. Man kann den verdrillten Draht entweder mit dem Lötkolben und Elektroniklot verzinnen (ein eher teures Geduldsspiel 😉 ), oder mit Gasbrenner und Lötpaste (zB.: Rothenberger fĂŒr Kupferrohre).

draht-verzinntMeine Wicklung besteht aus verzinktem 0.5mm Eisendraht. Noch unverdrillt  war die LĂ€nge (mit großzĂŒgigem Überstand) 275cm, nach Verdrehen und Verzinnen 274cm. Mit einer Handwinde wurde der Draht 490x verdreht; unter Spannung, damit der Draht schön glatt bleibt. Dann wurde der Bohrer ĂŒber eine Stuhllehne gehĂ€ngt, sodass der Draht straff blieb und selbiger mit Lötpaste und Brenner verzinnt. Durch die Hitze hat sich der Draht wieder etwas gestreckt. Abschließend wurden Lotreste (im Bild schwarz) mit Wasser und Aceton entfernt und der Draht fĂŒr eine glatte & glĂ€nzende OberflĂ€che mit Zinnkraut (aka. Schachtelhalm) abgerieben.

Als Flussmittel sind Harze zu bevorzugen und Lötfette zu vermeiden, denn diese sind hoch-korrosiv und sollten dem Schwert besser fernbleiben 😉 . Rein optisch betrachtet wĂŒrde ich beim nĂ€chsten Mal entweder etwas dickeren Draht nehmen oder schon die Wicklung enger auslegen, aber das ist Geschmackssache.

 

Das Finale

Es gibt mehrere Möglichkeiten, den Draht zu fixieren und statt Kleben, Bohren oder Nageln habe ich mich fĂŒr Knoten und Löten entschieden. FĂŒr komplizierte Knoten ist der Draht zu steif und rau aber ein simpler Überhandknoten um den Griff hat fĂŒr mich gereicht. Diesem folgen 2-3 feste Windungen und dann legt man den Draht in die Rille bis man am Knauf wieder 3 Windungen und einen Überhandknoten anbringt. Die Wicklung sollte unter viel Kraft erfolgen, da sie den Lederschlauch gegen Verrutschen sichert; lasst euch hier helfen und achtet darauf, dass das Leder sich nicht verdreht, sondern die Naht schön gerade bleibt.

Mit dem Lötkolben werden jetzt Beginn und Ende der Spirale fixiert, ebenso die Überhandknoten. Die ÜberstĂ€nde werden auf wenige cm LĂ€nge abgeschnitten, angelegt oder in LĂŒcken gesteckt und auch mit Lot fixiert. Der Draht sollte wenig Kontakt zu Parierstange oder Knauf haben, da diese die Hitze des Lötkolbens zu schnell abfĂŒhren; man in ihrer NĂ€he also nicht sauber löten kann. Dem Leder machen diese Temperaturen wenig aus.

wicklung-fertig Das GriffgefĂŒhl ist sehr interessant: Streicht man leicht ĂŒber den Griff, spĂŒrt man den Draht wenig, am ehesten ĂŒber der Naht. HĂ€lt man den Griff sehr fest, so drĂŒckt sich der Draht zwar spĂŒrbar (noch nicht unangenehm) in die Haut ein, aber ein Verrutschen der Hand ist nun schlicht unmöglich. Dieses Resultat liegt wohl auch an einer glĂŒcklichen Wahl von Materialien, ist aber nicht weniger faszinierend.

Kurzum: ich kann es kaum erwarten, bis mir auch noch der Griff des anderen Schaukampfschwertes zerfÀllt und ich weitere Variationen ausprobieren kann :mrgreen: